Donnerstag, 16. Februar 2017

Am Spiegel

Was ich sehe
macht mich stolz
Mein Gegenüber
umrahmt von Holz
trägt die feinsten Stoffe

Kein Makel da
so sehr man siebt
Mein Gegenüber
scheint höchst beliebt
bei Frauen (ja ich hoffe)

Es klopft
mir gegenüber
noch ehe ich verneine
tritt ins Bild die Zofe ein
(erst) mit dem linken Beine

Verzeiht mein Herr
ganz gewiss
der Spiegel hat so seinen Nutzen
vergaß ich nur
Sie sehns mir nach
seit Tagen ihn zu putzen

Samstag, 9. Januar 2016

Unser Übermorgen

Heute kommen sie zusammen,
die Räte unsrer Heimatstadt.
In der alten Bahnhofstraße
reißen sie vier Häuser ab.

Die Müller, meine Nachbarin,

macht sich große Sorgen:
'Leute, die von gestern sind
entscheiden heut‘ für übermorgen!'

Und Lieberknecht von nebenan

schiebt sich die Perücke
von links nach rechts, man siehts ihm an,
er leidet unter dieser Lücke.

Nur Miehatsch, bald ein Architekt,
pfeift triumphierend durch den Flur.
'Soll uns die Moderne holen!',
klingt es beinah wie ein Schwur.

Heute kommen sie zusammen

und morgen früh im Tagesblatt
erfahren wir von ihren Plänen.
Für die Zukunft unsrer Stadt!

Das wollten wir nur noch erwähnen.

Smetanas Irrtum

Im Schaukelstuhl zurückgelehnt
lausche ich der Nadel Lauf.
Vorbei am Rauschen schwindet sie,
der Moldau Schicksal nimmt sie in Kauf.

Im Mondenschein sinfonieren
Nixen, Schlösser, Böhmens Meer.
Es bettet sich durchs Gold’ne Prag.
Ein Abschied ohne Wiederkehr.

Ihre Größe, ihre Fluten,
majestätisch sich ergießend,
tragen ihren Namen fort,
verschwiegen in die Elbe fließend.

Bliebe ihr Name von Wellen getragen,
hier pulsiere Europas schönster Strom!
Flösse vorbei am Dresdener Zwinger,
perle am Felsen des Magdeburger Doms.

Im Schaukelstuhl zurückgelehnt,
folge ich der Moldau Lauf.
Smetanas Werk nun unvollendet,
dies’ Schicksal nehme ich in Kauf.

Verzeih mir!

Im dunkelsten Moment der Nacht
läuft Tinte über meinen Boden.
Ich bin am Schreibtisch aufgewacht.
Schuld war der linke Ellenbogen.

Vor mir ruh’n intime Zeilen.
Ich schließe sie, ein letztes Wort.
Sie ist so schüchtern, prüd‘ bisweilen.
Ob das so bleibt? „…Adieu, Dein Kurt!“

Und dann vergaß ich, zugegeben,
heute Nacht lief etwas schief,
den Brief an Ilse zuzukleben.
Jetzt ist er raus als off‘ner Brief!


Der Hirsch

Zwischen großen, alten Bäumen,
wenn der Tag wird langsam spät,
tritt scheu samt seiner stolzen Krone
hervor des Waldes Majestät.

Zwischen großen, alten Bäumen
legt sich früh schon auf die Pirsch,
der Jäger mit dem grünen Hute,
um zu schießen diesen Hirsch.

Zwischen Rotkohl, Preiselbeeren,
Klößen in der trauten Runde,
ist des Waldes Majestät
nun in aller, vollen, Munde.

Linie 15

Endlich Fußball in unsrer Stadt!
Am Abend rollt das runde Leder.
Nicht selten etwas ungenau,
doch freut sich darauf wirklich jeder.

Wir trafen uns am Springbrunnen,
der so beliebt bei allen Rentnern.
Heute ist das nicht mehr möglich
zwischen all den neuen Einkaufscentern.

Die alte Tatra führt uns rüber.
Bis zum Spiel sind’s noch drei Brücken.
Vom Stadion fluten schon die Lichter
durch des grünen Stadtparks Lücken.

Mit Figuren ausstaffiert
begegnet uns der Brücken kleinste.
Merkur deutet uns den Weg.
Für mich ist sie die allerfeinste.

Der Bürgersteig ist voll mit Füßen,
sie alle eint das gleiche Ziel:
Zu finden ihren Gegenüber,
am besten noch weit vor dem Spiel.

So pilgern sie dann siegestrunken
zu unserem, ja, heiligen Ort,
von dem so manch großer Name
zog mit herber Klatsche fort.

Vorm Stadion grüßt unser Heinz.
Er genießt das Bad in der Menge.
Mit dem Triumph in seiner Hand
verabschiedet er uns auf die Ränge.

Durch eine Pfeife ertönt der Anpfiff.
Die Leute fangen an zu singen
von ihrem Club und besseren Tagen.
Das kann schon etwas traurig klingen.

Zum Schluss pfeift dann die selbe Pfeife
das Spiel ab und bleibt fortan stumm.
Und erntet dafür großzügig
ein Pfeifkonzert vom Publikum.

Dieses macht sich schnell von dannen
und man spart sich lange Sätze
lieber für die Straßenbahn
und derer warmen Plätze.

So bringt uns die alte Tatra wieder
über Brücken und drei Elben
und die Gespräche in ihr bleiben
nach jedem Spiel stets die selben.

Ach, das Spiel. Das war recht öde.
Wir spielten null zu null, Remis.
Doch dieses ganze Drumherum,
das möchte ich nicht missen.
Nie.

Der Clown

Sie glaubten sich frei.
Freier als 'drüben'.
Coca-Cola und Burger
in vollen Zügen.

Nicht Isar, nicht Alster.
Kein Neckar, kein Main.
Es hat zu regieren
ein Städtchen am Rhein.

Sie kratzten an Wolken,
Walt Disneys Türme.
Funkten ins All
und ernteten Stürme.

Die Sterne am Himmel,
fünfzig zählt Sam,
formieren zur Krone
das goldene "M".

Ihr König regiert
über Teich, über Land.
Doch hinter dem Zaun
ist er bekannt
als Ronald der Clown.

Magdeburg im Januar

Wenn das hier die Memel wär‘,
gäb‘ es heut kein Schiffsverkehr.

Cousteau (und so)

Beim Studium der Philosophie
les‘ ich täglich hundert Blatt.
Doch spätestens am Sonntagmorgen
bin ich der Lektüre satt.

Das mag daran liegen,
beginnt ein Kommilitone,
dass ich zu nah an Kneipen,
im doppelten Sinne ‚ungünstig‘, wohne.

Und fährt fort mit einem Rat,
wie man den Kater überstehe.
Er habe einen Vetter in Stettin,
der samt Haupt ins Wasser gehe.

Nun gut, entgegne ich,
der Sonntag hat schon seine Zeit.
Doch ist mir der Weg ans Stettiner Haff
selbst als Ziel viel zu weit.

Zur Elbe brauche ich dagegen
fünfzehn Minuten, sprich ‘ne Viertelstund‘,
und geh‘ ja gerne in die Tiefe.
Warum nicht ihr auch auf den Grund.

Noch einmal hole ich tief Luft
und bin in drei, vier Zügen
in einer ungeahnten Welt
und bleibe mit Vergnügen.

Pflanzen, Taucher, alte Schiffe
flackern auf im Sonnenschimmer.
Viele bunte kleine Riffe
mittendrin das Bernsteinzimmer.


Als wäre dies nicht schon genug
ertönt Musik von nebenan.
In uns’rer Elbe steht ein Salon;
Tapete, Leuchter, alles dran.

Ich trete ein in diesen Zauber,
mein erster Blick geht an die Bar:
Jacques Cousteau neben einer Nixe,
was für ein skurriles Paar!

Geschichten von den sieben Meeren
drängen sich in meine Ohren.
Die Nixe klagt von ihren Schwestern,
beide habe sie verloren.

Verzeihung, klinke ich mich ein,
es ist noch gar nicht lange her,
da sichtete man zwei Meerjungfrauen
bei einem Bad im Baltischen Meer.

Die eine liegt vor Kopenhagen
auf einem Fels als Attraktion.
Die and’re schwamm die Weichsel rauf
und wacht auf Warschaus neuem Thron…

Es waren große grüne Augen,
die nah bei mir in meinen tauchten.
Es schien als suchten sie nach etwas,
mehr als sie vermutlich brauchten.

Sprachlos schwamm die schöne Nixe
vor mir auf der selben Stelle.
Ich wollte sie mit zu mir nehmen,
am liebsten mit der nächsten Welle.

Ich empfahl mich aus der kleinen Runde
und rief nach einem flotten Seepferd.
(Als Taxi sind sie unter Wasser
in Abendstunden sehr begehrt.)


Die Nachricht über ihre Schwestern
stimmte die Nixe dankbar froh.
Sie fragte nach ‘nem Wiedersehen
und falls ja, wann und wo.

Ich lud‘ sie ein auf ‘nen Kaffee
sogleich bei mir in Klein Paris.
Cafés und Kneipen tummeln sich
im Gründerzeiten-Paradies.

Arm in Arm begegnet uns
mein verblüffter Kommilitone.
Ich brauchte nicht mehr zu betonen,
dass ich hier doch recht günstig wohne.

Tja

Es schwimmt ein Fisch im Elbestrom,
der hat’s nicht eilig.

Den Reihern vorn am Rotehorn,
denen schmeckt‘s dann freilich.

In der Sonne

In Spanien, Frankreich und Italien
wird Mann am Strande sehr schnell braun.
Ja, das woll’n doch alle Frau’n?!

Fluss der Mitte

Historisch groß, in jener Pracht,
ragt himmelhoch, oft ungedacht,
der Elbestadt
ihr stolzer Thron.

Sein Felsen, Fundament der Macht,
die Elbe aufruft mit Bedacht,
bescheiden
ihn zu spiegeln.


Als Morgengabe früh bekannt,
wächst du der Zukunft zugewandt,
dem Efeu gleich
aus Ruinen.

Dein Recht galt einst europaweit,
zeugt heute noch von großer Zeit,
des Lebens
am Fluss der Mitte.

Wir Menschen hier am großen Strom,
sind gleich verschiedener Nation.
Die Elbe
kennt viele Ufer.


Erster Hochzeitstag

Ich schenkte Dir nie hundert Rosen
und Poesie zog still vorbei.
Nun hatte ich Papier und Bleistift,
den ganzen Tag hielt ich mir frei.

(Er holt Zettel aus seinem Mantel,
sucht den rechten, findet den rechten
und trägt sodann vor.)


Ein Jahr hat viele Tage,
die mit der Sonne geh‘n.
Ein Jahr hat viele Nächte
und meine Sterne steh’n
so günstig wie noch nie zuvor
(Deine Geburtstage ausgenommen).
Ich frage mich, wann ich zuletzt
in solchem Glück geschwommen!


Das Meer hat die Gezeiten,
die Ebbe und die Flut.
Die Dame hat die Eleganz,
der Opa seinen Hut.
Dessen Kater hat am liebsten
(noch vor Mäusen) rohen Fisch.
Fragt man, was ich hab am liebsten,
gibt’s nur eine Antwort: Dich!

Was man über Eisbein wissen muss

Wo die Elbe macht ’nen Bogen
nicht um die Stadt, das wär’ gelogen,
da liegt Magdeburg.

Wo der Hassel wird zum Stern,
wo man trinkt Prozente gern,
da liegt Magdeburg.

Wo im Stadtpark grünt das Grün,
wenn die Landschaften im Osten blüh’n,
da liegt Magdeburg.

Wo der Dom kratzt an den Wolken
schiebt sie weg, man hört’s nur läuten,
da liegt Magdeburg.

Wo der Breite Weg flanierbar,
Damen meist schwer finanzierbar,
da liegt Magdeburg.

Wo im Klosterbergegarten
nicht nur Elfen dich erwarten,
da liegt Magdeburg.

Wo im Herrenkrug die Wiesen
machen Jockeys oft zu Riesen,
da liegt Magdeburg.

Wo Geschichte scheint verschollen,
spürbar nur für die, die’s wollen,
da liegt Magdeburg.

Wo die Schwermaschinen ruhen
und der Bötel füllt den Bauch,
da liegt’s auch.

Eine Empfehlung

Der Ton macht die Musik,
die Töne eine Melodie.
Trifft man derer rechte nicht,
belässt man’s besser beim Gedicht.

Ein Ausblick

Weitsicht gibt es nicht geschenkt,
selbst muss man sie erklimmen!
So lautet etwa der Tenor
vieler weiser Stimmen.

Der Weg, den Du gehen musst,
führt auf’s Dach der Welt.
Nichts bringt Dich augenblicklich weiter,
als die Stufen, die Du zählst.

Der Glockenklang, der Dich begleitet,
winkt Dir mit der Zeit.
Sie fliegt davon, …ach könntest Du!
Für Dich ist es noch weit.

Doch hältst Du jener Mühe stand,
erwartet Dich Dein Lohn.
Ein Blick über Stadt und Fluss
vom Magdeburger Dom.

Hochwasserschutz

Die Sonne scheint auf Bach und Wiesen,
doch auch aufs schneebedeckte Dach.
Vom Riesengebirge schmilzt der Schnee
in den noch ruhigen Fluss hinab.

Dieser steigt mit jedem Tropfen
und wächst schnell zum großen Strom.
Braucht noch etwa drei, vier Tage,
ist dann hier bei uns am Dom.

Auch aus Frankreich nähert sich
Visite aus der Grande Nation.
Französisch sprech‘ ich nur bescheiden:
Salut cherie! Merci, pardon!

Formvollendet auf dem Gleise
einer anderen Epoche
stand Monique und neben ihr
acht Koffer für die eine Woche.

Wir gehen durch die alte Stadt
und sehen überall das gleiche:
Leute füllen Säcke auf
mit Sand zum Schutz der weichen Deiche.

Einer ragt sechs Meter hoch.
(Das sind tausend Sack zusamm‘!)
Stolz dreh‘ ich mich zu Mademoiselle:
„Et voila, c’est Notre-Damm!“

Die Brücke

Die Brücke wartet, schon gespannt,
Kinder kommen angerannt.
Ein jeder ist heut‘ auf den Beinen,
kommt an die Elbe mit den seinen.
„He da drüben, könnt Ihr uns hör’n?! Das ist ja super!“
Schon folgen Grüße der Brücke ans andere Ufer.
Es wird gewunken und gesungen,
aus alten und aus jungen Lungen.
Dann ist er da mit großer Schere,
der Bürgermeister, er hat die Ehre.
Mit scharfer Klinge in ruhiger Hand
durchschneidet er im Nu‘ das Band.
Stumm sinkt es entspannt hinunter,
Melonen fliegen rauf und runter.
Die Menge johlt „hip hip Hurra!“,
die neue Brücke, sie ist nun da.
Diese erwidert ganz entzückt:
„Dann könnt‘ Ihr ja nach Haus zurück!“


Sonntags

Ein grauer Fisch, der spazierte
durch die Elbe. Nichts passierte.

Froschkonzert

Am Wasserfall, da quakt ein Frosch.
Und als er seine Kerze losch,
schlief alles weit und breit.
Doch aus der Nähe erklang ein „Horch!“,
da sprach der eine zum anderen Storch:
„Am Wasserfall ruht unser Essen.“
Nur hatten beide schnell vergessen
 - da geh ich jede Wette -
dass auch sie nicht ganz oben stehen
 in bekannter Nahrungskette.
So klopfte es nach kurzer Weile
auf der Störche Schultern leise:
„Verzeihung, dass ich stören muss,
auch ich speis‘ abends gern am Fluss.
Die Aussicht und das Froschkonzert,
das alles möchte ich nicht missen.“
Sprach der Fuchs und nahm anstandslos
den ersten großen Bissen.

Am Wasserfall, da quakt ein Frosch.

Mittwochs

Neulich an der alten Elbe,
zählte stolz ein Bub‘ sein Gelde.
Ein Taler, der dabei entwich,
flog ins Maul vom grauen Fisch.
Das war wohl besagter Tag,
ab dem man vom Goldfisch in der Elbe sprach.

Anomalie des Wassers

Wenn Kufen ihre Runden drehen,
Menschen über Wasser gehen
und Mützen schützen Kinderohren,
ist unsere Elbe zugefroren.

Der Kranich

Zu später, aber milder Stunde
verbreitete sich frohe Kunde:
Drei Angler wären auf dem Wege
zum aussichtsreichen Fischerstege.
Mit im Gepäck, das heißt im Eimer,
zehn Würmer und darunter keiner,
der von seiner Zukunft wüsst‘.
Was gab es für ein großes Treiben,
am Elbegrund wollt‘ keiner bleiben.
Dutzende von Kiemenpaaren
stiegen auf zur heute klaren
Oberfläche, um zu suchen
das größte Stück vom Wurm, dem Kuchen.
Trotz besagter guter Sicht,
nichts war zu sehen vom Gericht.
Doch wie die Moral einer Fabel,
tauchte ein ins Nass‘ ein Schnabel.
Dieser fischte Fisch für Fisch
vom reich gefüllten Gabentisch.

So landete die frohe Kunde
wieder in des Kranichs Munde.

Weitere Erkenntnis

Es fließt ein Fluss durch Magdeburg,
und das recht schnell.
Wer’s da gegen die Strömung wagt,
braucht lang zur Quell‘.

Unter Libellen

Was ist das heute für ein Wetter,
die Bäume tragen kaum noch Blätter.
Am Petriförder steht‘s: drei vierzig!
Die Elbe schaukelt, ja sie türmt sich
auf und trifft mit voller Wucht
in die Magdeburger Bucht.
Dort steh‘n alte Mauern, mit kleinen Ritzen,
in denen zwei Insekten sitzen.
„Das war knapp!“, sprach die Libelle.

Darauf kam die große Welle.

Die Möwe

Sie kommt geflogen, oh‘ welch‘ Geschrei,
in kleinen Gruppen, oft mehr als zwei.
Dem Seemann deutet sie es an:
„Das Festland!“, man ist nahe dran.
Ob Brot oder Krümel in großer Zahl,
dem Gönner scheint sie kurz loyal.
Doch so köstlich auch der Duft,
schnell steigt sie hoch in die Luft.
Wird selbige für sie zu dünn.
Sich anzunähern, das ist gar schlimm.
„So bleib‘ mir fern! Und doch bis bälde,
ich muss zurück an meine Elbe!“

Hinfort

Auf dem Magdeburger Eiland
(das liegt zwischen beiden Elben)
gibt’s ‘nen Park mit vielen Blumen
(roten, grünen und auch gelben).

Dort ruht unter Baum und Hut
ein Mann mit Bart und Brille.
Nur die Miene auf Papier
unterbricht in Zügen jene Stille.

Sein Blick überquert den großen Strom,
streift vom Kloster zur Kathedrale.
Vielleicht schreibt er ein Gedicht,
vielleicht sogar die Elbballade.

Welche Worte wird er wählen?
Er setzt den Stift auf das Papier,
beginnt zu schreiben, ach könnte ich
jetzt bei ihm sein und nicht hier.

Langsam trete ich ihm näher
über Blumen und Geäst.
Fast kann ich den Anfang lesen,
noch fünf, sechs Schritte Nord-Nord-West.

Plötzlich bricht ein Ast entzwei,
erschreckt die Vögel auf der Promenade.
Mit einem Mal sind sie hinfort,
so wie der Dichter samt Ballade.


Sommertag

Spatzen schwatzen fern auf Dächern,
Vanilleeis schmilzt in der Hand,
Damen stolzier’n mit ihren Fächern
am gut besuchten Elbestrand.

Vom Fischerufer ziehen Düfte
von Hering, Lachs und vier Forellen
über Dächer in die Lüfte,
Möwen treiben auf den Wellen.

Am Faßlochsberg freu’n sich die Mäuse,
der dicke Kater, der sie so mag,
lässt heute alles steh’n und liegen.
Es ist ein schöner Sommertag.


Erkenntnisse

Die Elbe, wem erzähl ich das,
ist breit, tief und meistens nass.

Freitag, 8. Januar 2016

Puste nur

Im Winter warst Du nie mein Freund.
Oft hatte ich es glatt versäumt
mich warm vor Dir zu schützen.

Dem Herbst verleihst Du buntes Treiben,
lässt Drachen auf- und niedersteigen,
schiebst Schiffchen durch die Pfützen.

Und wenn die ersten Sonnenstrahlen
Schatten an die Ufer malen
lädt Frühling zum Spazieren.

Auch Sommer lädt die Menschen ein,
an unsrem Fluss zusamm‘ zu sein.
Du stellst Dich vor in leichten Brisen,
nimmst Fahrt auf über grünen Wiesen.
Kehrst zurück zum bunten Treiben,
holst tief Luft und lässt dann steigen
der Damen kurze Stoffe.
Und wirst mein guter Freund.