Samstag, 9. Januar 2016

Cousteau (und so)

Beim Studium der Philosophie
les‘ ich täglich hundert Blatt.
Doch spätestens am Sonntagmorgen
bin ich der Lektüre satt.

Das mag daran liegen,
beginnt ein Kommilitone,
dass ich zu nah an Kneipen,
im doppelten Sinne ‚ungünstig‘, wohne.

Und fährt fort mit einem Rat,
wie man den Kater überstehe.
Er habe einen Vetter in Stettin,
der samt Haupt ins Wasser gehe.

Nun gut, entgegne ich,
der Sonntag hat schon seine Zeit.
Doch ist mir der Weg ans Stettiner Haff
selbst als Ziel viel zu weit.

Zur Elbe brauche ich dagegen
fünfzehn Minuten, sprich ‘ne Viertelstund‘,
und geh‘ ja gerne in die Tiefe.
Warum nicht ihr auch auf den Grund.

Noch einmal hole ich tief Luft
und bin in drei, vier Zügen
in einer ungeahnten Welt
und bleibe mit Vergnügen.

Pflanzen, Taucher, alte Schiffe
flackern auf im Sonnenschimmer.
Viele bunte kleine Riffe
mittendrin das Bernsteinzimmer.


Als wäre dies nicht schon genug
ertönt Musik von nebenan.
In uns’rer Elbe steht ein Salon;
Tapete, Leuchter, alles dran.

Ich trete ein in diesen Zauber,
mein erster Blick geht an die Bar:
Jacques Cousteau neben einer Nixe,
was für ein skurriles Paar!

Geschichten von den sieben Meeren
drängen sich in meine Ohren.
Die Nixe klagt von ihren Schwestern,
beide habe sie verloren.

Verzeihung, klinke ich mich ein,
es ist noch gar nicht lange her,
da sichtete man zwei Meerjungfrauen
bei einem Bad im Baltischen Meer.

Die eine liegt vor Kopenhagen
auf einem Fels als Attraktion.
Die and’re schwamm die Weichsel rauf
und wacht auf Warschaus neuem Thron…

Es waren große grüne Augen,
die nah bei mir in meinen tauchten.
Es schien als suchten sie nach etwas,
mehr als sie vermutlich brauchten.

Sprachlos schwamm die schöne Nixe
vor mir auf der selben Stelle.
Ich wollte sie mit zu mir nehmen,
am liebsten mit der nächsten Welle.

Ich empfahl mich aus der kleinen Runde
und rief nach einem flotten Seepferd.
(Als Taxi sind sie unter Wasser
in Abendstunden sehr begehrt.)


Die Nachricht über ihre Schwestern
stimmte die Nixe dankbar froh.
Sie fragte nach ‘nem Wiedersehen
und falls ja, wann und wo.

Ich lud‘ sie ein auf ‘nen Kaffee
sogleich bei mir in Klein Paris.
Cafés und Kneipen tummeln sich
im Gründerzeiten-Paradies.

Arm in Arm begegnet uns
mein verblüffter Kommilitone.
Ich brauchte nicht mehr zu betonen,
dass ich hier doch recht günstig wohne.