Samstag, 9. Januar 2016

Linie 15

Endlich Fußball in unsrer Stadt!
Am Abend rollt das runde Leder.
Nicht selten etwas ungenau,
doch freut sich darauf wirklich jeder.

Wir trafen uns am Springbrunnen,
der so beliebt bei allen Rentnern.
Heute ist das nicht mehr möglich
zwischen all den neuen Einkaufscentern.

Die alte Tatra führt uns rüber.
Bis zum Spiel sind’s noch drei Brücken.
Vom Stadion fluten schon die Lichter
durch des grünen Stadtparks Lücken.

Mit Figuren ausstaffiert
begegnet uns der Brücken kleinste.
Merkur deutet uns den Weg.
Für mich ist sie die allerfeinste.

Der Bürgersteig ist voll mit Füßen,
sie alle eint das gleiche Ziel:
Zu finden ihren Gegenüber,
am besten noch weit vor dem Spiel.

So pilgern sie dann siegestrunken
zu unserem, ja, heiligen Ort,
von dem so manch großer Name
zog mit herber Klatsche fort.

Vorm Stadion grüßt unser Heinz.
Er genießt das Bad in der Menge.
Mit dem Triumph in seiner Hand
verabschiedet er uns auf die Ränge.

Durch eine Pfeife ertönt der Anpfiff.
Die Leute fangen an zu singen
von ihrem Club und besseren Tagen.
Das kann schon etwas traurig klingen.

Zum Schluss pfeift dann die selbe Pfeife
das Spiel ab und bleibt fortan stumm.
Und erntet dafür großzügig
ein Pfeifkonzert vom Publikum.

Dieses macht sich schnell von dannen
und man spart sich lange Sätze
lieber für die Straßenbahn
und derer warmen Plätze.

So bringt uns die alte Tatra wieder
über Brücken und drei Elben
und die Gespräche in ihr bleiben
nach jedem Spiel stets die selben.

Ach, das Spiel. Das war recht öde.
Wir spielten null zu null, Remis.
Doch dieses ganze Drumherum,
das möchte ich nicht missen.
Nie.